Wie zynisch mittlerweile Personalpolitik geworden ist zeigt eine Postwurfsendung für die Personalgewinnung in Stuttgart.
Datum: „heute“
Zunächst folgt die Salbung in öligen Farben:
„Sehr geehrte Damen und Herren, die Deutsche Post World Net ist der globale Logistiker Nr. 1. Weltweit liefern wir exzellente Qualität. Mit dem Können unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wir das Ziel, unsere Spitzenposition weiter auszubauen. Wenn Sie körperlich fit sind und Fahrrad fahren können, dann nehmen Sie mit uns die Herausforderung des Wettbewerbs an. Bei uns sind sie an der richtigen Adresse.”
Dann die Werbung:
“Kommen Sie in unser Team!”
Dann der pure Zynismus:
“Wir bieten sichere Teilzeitarbeitsplätze mit einer Wochenarbeitszeit von 19,25 Stunden in der Briefzustellung in Ihrer Nähe bei guter Bezahlung. Sie erhalten einen Monatslohn von rund 850,-€ brutto. Darüber hinaus werden ein Urlaubsgeld, ein 13. Monatslohn sowie ein leistungsbezogenes variables Entgeld gewährt.“
Ich vermute, dass die „exzellente Qualität“ tatsächlich mit dem „leistungsbezogenen variablen Entgelt“ zu tun hat. Nämlich in der Form, dass in unserem Haus zwei Parteien mit demselben Nachnamen wohnen und wir abwechselnd uns die Briefe gegenseitig neu sortiert in den jeweils anderen Briefkasten werfen, was die Zustellung u.U. durch längere Abwesenheit der lieben Namensvettern um Tage verzögern kann. Der „motivierte“ und mit seinem „Können“ glänzende Mitarbeiter der Niederlassung BRIEF orientiert sich wie automatisiert nur am Nachnamen. Im Übrigen gehört „Lesen“ nicht zu den Anforderungen im Werbungsschreiben.
Unter diesen Bedingungen werde ich dem Briefträger nicht mehr im stillen Groll begegnen, denn bei 11 € brutto ist das „leistungsbezogene variable Entgelt“ Gold wert.
Und noch etwas: wer seine Mitarbeiter gegenüber seinen Kunden derart sozial exponiert, hat die Scham schon längst hinter sich gelassen.
Verfasst von feuersee